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Maskottchen wirbt seit 10 Jahren

Stadt und Agentur erfinden Turmfledermaus als Repräsentanten - Werbefachmann schult Kostümträger
Im Juli 2000 hatte die übergroße Turmfledermaus Gehrda ihren ersten Auftritt. Seitdem macht das orangefarbene Maskottchen Werbung für seine Heimatstadt
Gehrden.

Aktuelles GehrdaVON GERKO NAUMANN
GEHRDEN. Mal abgesehen von ein paar Schrammen an der blauen  Kunststoff-nase hat sich Gehrda gut gehalten. Im Juli ist es zehn Jahre her, dass die zwei
Meter große, orangefarbene Fledermaus ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte. Die Stadt hatte damals Jungen und Mädchen aller Gehrdener Grundschulen
und Kindertagesstätten zu einem Fest am Rathaus eingeladen, um die Sympathieträgerin vorzustellen.
„Das Konzept stammte vom ehemaligen Stadtdirektor Hans Bildhauer und den Mitarbeitern einer Gehrdener Werbeagentur", erinnert sich Lisa Strecker vom
Fachdienst Organisation. Nachdem Rat und Verwaltung zugestimmt hatten, gab die Stadt das aufwendig genähte Paradekostüm bei einer Fachfirma in Auftrag.
Seither ist Gehrda bei fast jeder Veranstaltung in der Burgbergstadt präsent
und mindestens so bekannt wie ein bunter Hund. „Sie tritt bei Kinderfesten, beim Burgberglauf, im Ottomar-von-Reden-Park und in der Fußgängerzone
auf", sagt Strecker. Dabei bilde sich zumeist schnell eine Menschentraube
um die beliebte Fledermaus. „Vor allem Kinder wollen Gehrda streicheln,
mit ihr tanzen und ein Foto mit ihr machen", sagt die Verwaltungsmitarbeiterin.
Genau das hatte Hans-Jörg Kons im Jahr 2000 im Sinn. Der Werbefachmann ist der geistige Vater von Gehrda und sehr zufrieden mit der Entwicklung, die
sein Schützling seitdem gemacht hat. „Sie soll auffallen und Gehrden über die Stadtgrenzen hinaus repräsentieren", sagt er.
Um die jeweiligen Kostümträger zu schulen, bietet Kons Seminare zum richtigen Verhalten als Gehrda an. „Die Fledermaus soll sympathisch herüberkommen,
bleibt aber stets stumm", sagt Kons. Deshalb müssen die Personen in der Verkleidung durch ihre freundliche und ausladende Gestik auf sich aufmerksam
machen. Außerdem bereitet Kons die Begleiter von Gehrda auf ihren nicht immer ganz einfachen Job vor. „Sie müssen darauf achten, dass Gehrda nicht zu sehr bedrängt wird und verteilen Süßigkeiten an die Kinder", sagt der Werbefach-mann.

Im Sommer ist es im Kostüm drückend heiß
Die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten spielt sich auch bei der Stadt Gehrden meist am Schreibtisch ab. Deshalb ist es für die jungen Leute eine willkommene Abwechslung, wenn sie zu besonderen Anlässen ins Gehrda-Kostüm schlüpfen dürfen. Auch der 23-jährige Benjamin Koch hat diese Erfahrung schon gemacht.
Allein das Anziehen des Kostüms dauere eine Viertelstunde und sei nicht ohne fremde Hilfe zu bewerkstelligen, sagt er. „Wenn man dann als Gehrda auftritt,
macht es Spaß zu sehen, wie sich die Kinder freuen", sagt er. Im Hochsommer kann es im Kostüm allerdings schnell drückend heiß werden. „Länger als
eineinhalb Stunden kann es ein Einzelner dann nicht darin aushalten",
sagt Koch. Leider habe der Ventilator, der zur Kühlung im Kopf des Maskottchens eingebaut war, mittlerweile den Geist aufgegeben.        kon

Biologin findet frischen Fledermauskot
Nabu-Vorsitzende spürt in Margarethenkirche den realen Vorbildern Gehrdas nach
Sprosse für Sprosse klettert isela Wicke vorsichtig eine narzende Holzleiter hinauf. Ihre Augen gewöhnen sich langsam an die dunkle Umgebung.
Um noch besser sehen zu können, schnallt sich die Vorsitzende des Gehrdener Naturschutzbundes eine Stirnlampe um den Kopf.
Die Biologin ist im Turm der Margarethenkirche auf der Suche nach Spuren von echten Fledermäusen. Dort soll der Legende nach auch Gehrda ihre Nächte verbringen, wenn sie sich von ihren anstrengenden Auftritten erholen muss. Nach kurzer Zeit wird Wicke fündig. Auf dem Boden liegen hunderte, etwa einen halben Zentimeter kleine Hinterlassenschaften.
Wicke nimmt eine Probe in die Hand, untersucht sie und ist sich sicher. „Es handelt sich eindeutig um Fledermauskot", sagt sie. Das entscheidende Merkmal sei, dass die Körnchen beim Zerreiben zerfallen wie Asche.
Obwohl sie keine Fledermaus zu Gesicht bekommt, ist deren Existenz für Wicke erwiesen. „Die Tiere lieben es, in winzigen Spalten zu nisten, weil sie
dort ungestört sind", sagt sie.
Alle 18 in Niedersachsen beheimateten Fledermausarten sind durch EU-Recht geschützt, sagt Wicke. Sie seien nachtaktiv und begeben sich zwischen
Sonnenuntergang und Sonnenaufgang auf Beutefang.
Das hat ihnen den Ruf eingebracht, kleine Vampire auf der Jagd nach frischem Blut zu sein. „Die Hauptnahrung sind aber Insekten und Spinnen", sagt
Wicke.
Deren Bekämpfung sei der Grund, warum Fledermäuse selten geworden sind. Zwar seien sie immun gegen Pestizide, durch die Vernichtung der Insekten
werde ihnen aber die Lebensgrundlage
entrissen.                                                                                                      kon

Calenberger Zeitung am 22. Mai 2010

(25.05.10)

Pressespiegel vom 03.06.2010Letzte Aktualisierung: 18.06.2010


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